Sonnenschein and Biene still seem to be on cloud 9....
Er kanns auch klassisch: Im seit Wochen ausverkauften Kuppelsaal spielte gestern Abend Crossover-Star David Garrett mit Orchester im Kuppelsaal in Hannover..
VON HENNING QUEREN
HANNOVER. Das hatte was von einem Candlelight-Konzert: Unzählige flackernde Kerzen standen auf der Bühne und beleuchteten ihn: Geige, Zopf, schwere Kette, T-Shirt, Jan-Delay-Hütchen und zerrissene Jeans, der Klassik-Geiger im Grunge-Outfit. Auch so gehts, das bewies gestern Abend David Garrett.
Ein bisschen sieht er ja wie Curt Cobain oder David Beckham mit Geige aus. Und für einige der 3000 Fans gestern Abend war es sicherlich überraschend, es war durch und durch seriös. Statt „Thunderstruck“ gabs Mendelssohn und zwar komplett, E-Musik statt E-Gitarre.
Es war ein Abend, der keinen überforderte. Locker plauderte Garrett vom Barhocker über seine Erlebnisse mit Hape Kerkeling und nette Fans. Los gings mit Montis „Csardas“, danach eine geschmachtete „Vocalise“ von Rachmaninow. Ein Geiger zum Verlieben. Vor allem nach dem sanft gestrichenen „Salut d’Amour“ von Elgar, auch eins dieser gut schmeckenden Kurhaus-Zückerlis wie auch die „Serenade“ von Schubert. Es macht einfach Spaß, wenn da einer so die geigerischen Süßwaren austeilt. „Classic Romance“ halt, wie die Tour heißt.
Perfektes Kunstgewerbe – und da gehen Können und Richtung zusammen – sind seine Interpretationen von Filmmusik. Die „Pirates of the Caribbean“ im ersten Set schön aufgehübscht mit Klavier und großem Orchester wären ebenso perfekte Tonspur für den Film. Und er hats technisch drauf, wenn er sich an Sarasates „Zigeunerweisen“ wagt und im Wettlauf mit den kleinen Noten gewinnt.
Das hatten viele dann so noch nie gehört: Nach der Pause wagte sich Garrett an eins der ganz großen Violinkonzerte – und setzte sich damit natürlich anderen Vergleichen aus. Denn das berühmte Opus 64 haben alle Großmeister der Geige gespielt und eingespielt. Unter anderem auch ein Nigel Kennedy, um einen Bruder im Geiste zu nennen. Dabei hielt sich Garrett überaus achtbar.
Das Konzert hatte er schon als Elfjähriger, als er noch Deutsche-Grammophon-Wunderkind war, perfekt draufgehabt – was sich nicht geändert hat. Technisch vergleichsweise souverän, nicht überzogen in den Tempi ging er den ersten Satz an. Erstaunlich, dass Garrett sich allzu große Tempofreiheiten nicht herausnahm. Klar, dass er die lyrischen Partien im zweiten Satz besonders auskostete und in der Schlusskurve des letzten Satzes die nötige Rasanz hatte. Respekt. Damit hat er zwar keine Interpreta¬tionsgeschichte geschrieben, konnte aber für den Abend mit einem durchweg sauber gespielten Konzert üerzeugen, sehr aufmerksam begleitet von der Staatskapelle unter George Pehlivanian.
Immerhin zwei Superlative trägt David Garrett mit sich herum: „Sexiest Violinist“ und schnellster Geiger der Welt. Das mit dem Aussehen konnten die weiblichen Zuschauer bestätigen. Das mit der Geschwindigkeit war an diesem Abend nicht zu überprüfen, statt „Hummelflug“ gabs eine herrlich buttercremige „Meditation“ von Massenet. Standing Ovations, und manche johlten wie bei einen Pop-Konzert. Und wenn der eine oder andere es viellecht ein wenig rockiger gewünscht hätte – ein komplettes Mendelssohn-Konzert zu hören, weil man David Garrett scharf findet, daran kann doch nichts Schlechtes sein