Hi,
in the mid of June David was in Düsseldorf to record the "Popolski Show". David has already played with this band and was now acitve as an actor in their show, which will be in German TV in January!
Here an article about the shoots, David had a lot of fun!!
http://www.sueddeutsche.de/K5X38W/2963240/Der-Polenstadl.html
Der Polenstadl
Noch mehr ¸¸Popolski Show". Besuch bei einer Familie, die auszog, dem Fernsehen das Fürchten zu lehren
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Viel mehr Tristesse geht nicht. Der Regen pladdert und wirbelt den Dreck auf in einer ziemlich heruntergekommenen Schmuddelstraße im Düsseldorfer Bahnhofsviertel. Das Haus passt zur Straße, dreckig, grau; kein Ort, der in schönen Träumen eine Rolle spielen könnte. Nichts deutet darauf hin, dass hier gerade Programm für die Zukunft gemacht wird, aber dann kommt ein Bus und spuckt 25 rotgewandete Blasmusiker aus. Die sollen gleich für ein respektables Chaos sorgen, wenn sie im Hinterhofstudio einmarschieren in einen fünf mal fünf Meter großen Raum, den ohnehin schon 20 Akteure überfüllen. Alle sollen dann musizieren, die Bläser, die anwesende Band und der Populärviolinist David Garrett, um dessen sündhaft teure Geige sich der eine oder andere gerade ein wenig Sorgen macht. Willkommen in der Welt von Der Popolski Show. |
Im vergangenen Jahr an Ostern war es, als plötzlich das Spätprogramm des Westdeutschen Rundfunks (WDR) gestört wurde. Wo eben noch langweilige Möchtegerncomedy flimmerte, rauschte es plötzlich, und seltsam altmodisch und billig gekleidete Menschen erklärten, dass sie sich von einem Plattenbau im polnischen Zabrze aus ins WDR-Programm gehackt hätten und jetzt die Welt darüber aufklären wollten, dass fast alle Hits der Popwelt aus Polen gestohlen seien. Der Großvater der Familie Popolski habe sie geschrieben, sei aber dann von einem Gebrauchtwagenhändler übers Ohr gehauen worden, und der habe die Hits in den Westen und an Typen wie Dieter Bohlen, Tom Jones oder Stefan Raab verscherbelt.
Keine Werbung vom WDR
Kaum jemand sah damals Der Popolski Show, weil sie in keiner Fernsehzeitung angekündigt worden war. Im WDR hieß es zudem, die Fernsehdirektorin Verena Kulenkampff sei wenig amüsiert über diese Art Fernsehen zu machen. Das klang durchaus glaubhaft, denn seit ihrem Amtsantritt scheint die Devise zu gelten, dass WDR-Unterhaltung vor allem billig und vorhersehbar zu sein hat, dafür aber sofort zu Quotenerfolgen führen muss. Trotzdem war das Echo auf die dreiteilige Piratenshow, hinter der vor allem der ehemalige Hape-Kerkeling-Pianist Achim Hagemann steckt, gewaltig. Es gab Nominierungen beim deutschen Fernsehpreis, bei Grimme, und die Konzerte der Popolski-Band waren plötzlich ausverkauft. Dem konnte sich der ansonsten inzwischen schwer auf Mainstream gebügelte WDR nicht widersetzen und genehmigte drei weitere Folgen, die im kommenden Januar auf dem Programmzettel stehen und nun abgedreht wurden.
"Achim", ruft David Garrett. Keine Reaktion. "Pawel", versucht es Garrett erneut - und erntet tatsächlich die Aufmerksamkeit von Achim Hagemann. So ist das in dieser Wohnzimmerkulisse mit der verschlissenen Couchgarnitur und der abgewrackten Schrankwand aus dem Horrorkabinett europäischer Innenarchitektur. Die Menschen leben hier ganz in ihren Rollen. Hagemann spielt das Familienoberhaupt der Familie Popolski, den Pawel, der in gebrochenem Deutschpolnisch den unermüdlichen Kampf der Familie um die späte Anerkennung für die Kompositionen des Großvaters führt. Und nun hat er etwas mit seinem Gast zu besprechen.
Garrett, der Violinist, besucht laut Drehbuch die Familie in ihrem Plattenbau, muss viel Wodka trinken und wird natürlich vom Familienvamp Dorota angegraben. Als der Gast erklärt, dass er ein bisschen Angst vor größeren Alkoholmengen habe, beruhigt ihn Hagemann: "Wir haben hier nur Wasserwodka." Dann beginnt der Dreh, und die sonst an üppigen Bewegungsraum gewöhnten WDR-Kameramänner müssen sich mit ihren Kleinkameras ganz dünn machen, damit sie in die Enge zwischen Couch und Schlagzeug passen und dort einfangen, was Pawel gerade erzählt über Stradivarek, den berühmten polnischen Geigenbauer, auf dessen Instrument Garrett angeblich spielt. Dessen weltweiter Erfolg geht natürlich auch zurück auf die Ausbildung bei Opa Popolski. Als Garrett in einer Drehpause wissen will, was er denn so sagen soll, beruhigt ihn Hagemann erneut. "Du kannst frei Schnauze antworten. Wir schneiden und dengeln das irgendwie durch." Das Drehbuch sei nur so etwas wie eine Notiz, erklärt er. Dann ist er wieder Pawel und erklärt das Prinzip der Bewährung im polnischen Plattenbau: "If you make it in Zabrze, you make it everywhere."
"Wir haben der Chit gerettet"
Wer einmal bei einer dieser großformatigen aber letztlich doch sehr kleinkarierten Quiz-Test-Ranking-Showproduktionen vom Pilawaformat dabei war, wundert sich bei den Popolskis doch sehr. Ihr Fernsehen hat so gar nichts zu tun mit den Norm-Formaten, bei denen immer alles gleich, immer alles vorhersagbar geschieht und höchstens die Farbe des Moderatorenjacketts wechselt. Wer eine dieser großen Shows erleiden durfte, hat sie im Prinzip alle gesehen. Bei den Popolskis dagegen weiß am Anfang niemand, was am Ende herauskommt. Es ist kleines Fernsehen, das noch etwas Experimentelles atmet. Eine öffentlich-rechtliche Seltenheit. Niemals wird man damit die Massen bewegen, aber es ist doch geeignet, Impulse zu geben, die ausstrahlen in die restliche Unterhaltungswelt. Hier wird die mediale Welt noch als veränderbar be- und angegriffen.
"Wir chaben bei Dieter Bohlen in der Studio eingebrochen und der letzte Chit gerettet, der er noch nicht verchunzt hat", erklärt Pawel. Dann folgt ein ziemlich wackeliges Filmchen über eine ziemlich wackelige Unternehmung der Familie, die so schön mit Krächzlauten das polnische Timbre nachahmt und dabei stets ihre Sympathie für die Parodierten durchschimmern lässt. Nichts ist hier so, wie es scheint, und wenn das leiseste Lied aller Zeiten angekündigt wird, folgt garantiert der Hit "Let"s get loud".
"Pawel, oh my God." Gerade wird zum fünften Mal die Szene gedreht, in der David Garrett zur Begrüßung schreitet. Von vorne, von der Seite, über die Schulter, alle Perspektiven werden ausgenutzt. Und dann geht es an die Musik, die ein Kernelement der Show ist. Garrett fidelt eine betörend tragende Weise, bevor die Band einsteigt und gemeinsam das Tempo angezogen wird. Drei Versionen nehmen sie auf, und nachher darf sich der Gast die ihm genehme auswählen. Den leisen Vorschlag eines Technikers, einmal zu spielen und die anderen Einstellungen auf das Playback der ersten Version zu mimen, hat er abgelehnt. Garrett will nur live. Und er kriegt live. Plötzlich wogt das Wohnzimmer, plötzlich geht es ganz hoch her. Musikalisch ist das von höchster Qualität, und in den Kameraeinstellungen zeigt sich jede Menge Bildwitz. Hier nimmt sich niemand ernster als es die Sache verlangt, aber jeder nimmt die Sache ernst, und das sicher einsetzende Chaos wird schnell zum regulären Bandmitglied erklärt.
Richtig ans Eingemachte geht es aber erst, als sich dann noch die Tür zum Treppenhaus öffnet und die 25 Bläser einmarschieren. Auf einmal ist gar nichts mehr klar, und die Kameramänner verschwinden ebenso in der wild wogenden Menge wie der Stargeiger.
Als die letzte Klappe gefallen ist, zeigen sich alle unversehrt, und auch die teure Geige von Garrett hat nicht, wie befürchtet, Schaden genommen. Dafür hat sich ihr Besitzer köstlich amüsiert. Mit einem seligen Lächeln verlässt er den kuscheligen polnischen Plattenbau, der plötzlich doch wieder nur ein Hinterhofstudio ist, und landet erneut auf einer schmuddeligen Straße in Düsseldorf. Es regnet immer noch. Aber es gibt wenigstens die berechtigte Hoffnung, dass im Januar das Fernsehen an drei Terminen etwas besser wird. HANS HOFF