Hi,
a new press-article about David´s first concert in Zurich on the 3rd February.
http://bazonline.ch/kultur/klassik/David-Beckham-der-Violine-wirbelt-durch-Zuerich/story/19811388
«David Beckham der Violine» wirbelt durch Zürich
Von Thomas Meyer.
//
Aktualisiert vor 23 Minuten
Vorgestern in der Tonhalle, heute im Kaufleuten: Der Violinstar David Garrett gastiert beim Zürcher Kammerorchester.
Illustrer Geiger in der Limmatstadt: David Garrett tritt in Zürich gleich mehrmals auf.
Bild: Beat Marti
«Könnten Sie sich bitte mal in diese Ecke stellen?», fragt der Fotograf. Und schon ist David Garrett wieder in Pose, fotogen mit Hut und blondem Bart, ein lockerer, etwas kecker Blick in die Kamera, ein angedeutetes Lächeln. Er weiss sich in Szene zu setzen. Schliesslich ist er lang genug im Geschäft. Mit vier begann er Geige zu spielen, mit zehn gab er sein erstes Konzert, mit zwölf hatte er einen Plattenvertrag, er studierte in New York an der Juilliard School of Music weiter, mit bald 29 hat der Deutsche längst ein Starimage. Nicht nur ist er mit 65,26 Sekunden über die «Hummelflug»-Strecke der schnellste Geiger; dank seiner Crossover-Programme ist er über die Grenzen der Klassik hinaus beliebt.
Die Umstellung zwischen den Genres bereitet ihm keine Mühe: «Entweder man spielt gut oder schlecht. Klar muss man ein Gespür dafür haben, wie man ein Stück angeht, aber das ist keine grosse emotionale Veränderung. Es ist ein genauso weiter Sprung von Bach zu Beethoven wie zu AC/DC. Man muss dabei sein, die Musik gut kennen, dann ist das kein Problem.»
Die eigene Generation ansprechen
Probleme scheint er tatsächlich kaum zu kennen. Vielmehr wird auch im Interview eine Vorwärtsstrategie spürbar. «Ich suche den Bezug zu dem, was rundherum passiert. Viele meiner Bekannten haben überhaupt nichts mit Klassik zu tun. Und da hilft die Geige unglaublich; zum einen ist sie sehr melodisch, zum anderen fasziniert sie auch visuell. So lässt sich ein junges Publikum zur Klassik führen. Wenn man ausserdem eine Brücke zur modernen Musik schlägt, kriegen die Leute Interesse daran. Ob sie es weiterverfolgen, ist eine andere Sache, aber die Neugier zu wecken, ist doch schon ein wunderbarer Anfang.»
David Garrett sieht es als seine Pflicht an, bei seiner Generation für die Musik zu werben. «Ohne Vermarktung geht es gar nicht mehr. Das war früher nicht anders. Man tut immer so, als sei klassische Musik ein Selbstläufer gewesen. Nein, war sie nie. Auch ein Menuhin, ein Heifetz haben auf ihre Weise ihre Generation angesprochen. Ich greife deshalb die Leute an, die meinen, ein klassisches Konzert allein dadurch füllen zu können, dass diese Musik grossartig ist. Wenn man sich nicht dafür stark macht, kann man nicht erwarten, dass die Säle voll sind mit jungen Leuten.»
Er betrachtet sich durchaus als klassischen Musiker. Siebzig Prozent seiner Konzerte seien diesem Repertoire gewidmet, das von Bach bis Schostakowitsch reicht, der Rest den Crossover-Programmen mit seiner Band, mit der er kürzlich im Kongresshaus war. Die Popstücke arrangiert er selber, schliesslich hat er auch Komposition studiert. Heute Abend im Kaufleuten spielt er neben Vivaldis «Vier Jahreszeiten» wiederum ein Programm nach Ansage. Er mag diese Vielfalt.
Ganze 250 Konzerte warens übrigens allein im letzten Jahr. Das sei vielleicht doch das Limit, meint er selber. Da bleibe kaum mehr Zeit, um etwas Neues zu erarbeiten. Und von daher fragt man sich, ob sich im Konzert nicht Abnützungserscheinungen zeigen. Aber im Gegensatz zu einem Grenzgänger wie Nigel Kennedy ist Garrett kein Exzentriker. Er geht sorgsam mit den Kräften um. Das wurde schon deutlich, als er am Dienstag aufs Tonhallepodium trat, um mit dem Zürcher Kammerorchester Mozarts 3. Violinkonzert aufzuführen: Er wirkte ruhig und unspektakulär, fast gelassen. Auch sein Spiel war nie aufgeblasen, sondern eher schlicht, ohne Sülze und Schwelgerei. Dafür trat er in einen Dialog mit dem Orchester, reagierte und gab sich keineswegs als abgehobener Star.
Viel Applaus und weibliche Jauchzer
Für die Zugabe, Paganinis «Carneval di Venezia», instruierte er das Ensemble rasch ohne Noten in der Begleitung und servierte dann virtuos Variationen über «Mein Hut, der hat drei Ecken». Er hat ein Gespür für den feinen Effekt und erhielt dafür grossen Applaus und denn auch noch ein paar weibliche Jauchzer – schliesslich gilt er als «David Beckham der Violine». Den Titel habe er sich – der Behauptung einer Website zum Trotz – nicht selber zugelegt, sagt Garrett; aber der Vergleich, der in Asien aufkam, wo Beckham ein Riesenstar ist, stört ihn nicht: «Ich finde das nett. Er hat ja auch viel für den Fussball getan. Insofern habe ich den Vergleich nie nur aufs Aussehen bezogen, sondern darauf, dass er viele Leute, nicht nur weibliche, für den Sport interessiert hat. Und so sehe ich das bei mir auch.»
Wenn Garrett nun also ein neues Publikum in die Tonhalle gelockt hat, so war es am ZKO, diese Begeisterung weiterzutragen. Und das hat es unter Muhai Tang aufs Schönste getan, durch ein intensives, schwungvolles Spiel — und durch ein Programm, das mit einer Mozart-Kassation, eine Henze-Fantasia und eine Haydn-Sinfonie exzellent zusammengestellt war.
Zürich, Kaufleuten, Donnerstag um 20 Uhr (ausverkauft).